Angebot und Nachfrage: Die altbekannte Geschichte von der Supply Chain bekommt eine neue Wendung

Oktober 20, 2017
Von Stacie Immesberger, Director, Product Management, Supply Chain Execution, Infor

Es wird oft darüber gesprochen, wie sehr sich Lieferketten in den letzten zehn Jahren verändert haben: durch digitale Disruption, hohe Verbrauchernachfrage, globalisierte Produktion, neoprotektionistische Politik, Nachhaltigkeit, usw. Aber so sehr sich Lieferketten auch verändern, einige grundlegende Fragen bleiben:

  • Was sollte wo und wann produziert bzw. beschafft werden?
  • Wie sieht das richtige Verhältnis von Größenvorteilen zur Vermeidung von Knappheit und entgangenen Verkaufschancen einerseits und dem Risiko veralternder Lagerbestände andererseits aus?
  • Was bedeutet „guter“ Service vor dem Hintergrund der Geschäftsstrategie, des Wettbewerbsdrucks und der Gewinnerwartung?
  • Wie sieht eine erfolgreiche Einführung aus? Und woran lässt sich erkennen, dass an der einen oder anderen Stelle genauer hingeschaut werden sollte?

Die Antworten auf diese Fragen sind sehr wichtig für den Erfolg der Supply Chain, aber sie scheinen sich nach wie vor unserer Kenntnis zu entziehen. Warum?

Ein Teil des Problems ist, dass wir zwar alle wissen, wie eine gute Lieferkette letztendlich aussehen sollte, wir aber nicht wissen, wie wir dort hinkommen.

Stellen wir uns einen perfekt synchronen Betriebsablauf vor, bei dem Angebot und Nachfrage ausgeglichen sind. Auf jede unerwartete Störung oder Marktverschiebung wird schnell und präzise mit einem effizienten und effektiven Lieferketten-Netzwerk reagiert. Handelspartner passen sich in Echtzeit an neue Erwartungen der Kunden an und machen sich Fehlentscheidungen der Mitbewerber zunutze.

Das hört sich gut an, oder? Sie fragen sich sicher, wo sollen wir anfangen, wenn es bei Ihnen anders aussieht (was meistens der Fall ist). Wo müssen wir ansetzen, damit uns ein richtig großer Durchbruch bei der Leistung gelingt?

An dieser Stelle werden Unternehmen oftmals durch die Vielzahl von Trends, Veränderungen und Technologien verunsichert, die in modernen Supply Chains eine Rolle spielen, insbesondere in der Planung. Die Antwort, wo man beginnen soll, ist eigentlich ganz einfach: dort, wo der meiste Leidensdruck eines Unternehmens verursacht wird.

Herausforderungen und Schwachstellen in der Supply-Chain-Planung aufspüren

Kennzahlen sind eine tolle Sache. Aber sie können auch irreführend sein. Leistungsbezogene Benchmarks können eine klare Handlungsrichtung vorgeben, aber es besteht auch die Gefahr, dass bei aggregierten Werten den verpassten operativen Chancen keine Beachtung geschenkt wird.

Versuchen Sie stattdessen, Prioritäten in Ihrer Supply-Chain zu erkennen, indem Sie geschäftliche Herausforderungen aufspüren, die noch nicht bewältigt wurden. Im Folgenden stellen wir einige mögliche Szenarien vor. Vielleicht trifft eines davon auch auf Ihr Unternehmen zu. Dann haben Sie einen Anhaltspunkt, wo Sie als erstes investieren sollten.

  • Szenario 1:Unternehmen glauben, ihre Prognosen seien zuverlässig, aber der Service-Level lässt zu wünschen übrig. Das beeinträchtigt die Kosten beim Versand und den Rücklauf bei Werbemaßnahmen und kann sogar zu entgangenen Umsätzen führen. Was passiert nun, wenn Lagerbestände hinzukommen, die weit über den in der Branche üblichen liegen? Ist die Prognose granular genug oder täuscht das Gesamtbild über wichtige Dynamiken in den einzelnen Segmenten hinweg? Das Erkennen und die Bewältigung der zunehmenden Komplexität erfordert einen vielseitigen algorithmischen Ansatz. Es gibt keine Patentlösung. Modelle müssen wesentliche kategorie-spezifische Merkmale berücksichtigen. In solchen Fällen liegt der potenzielle ROI, der sich aus einer sich selbst optimierenden Lösung für die Bedarfsplanung ergibt, auf der Hand.
  • Szenario 2:Andere Unternehmen wiederum sind bestens über den künftigen Bedarf informiert. Anhand von Einblicken in Lagerbestände und Bestellungen wissen sie genau, was produziert werden muss. Aber sie haben Probleme, das Wachstum voranzutreiben oder den Nutzen aus teuren Anlagewerten zu maximieren. Kapazität, Auslastung, Durchsatz, Stillstände und Arbeitskraft sind neuralgische Punkte. In diesem Fall könnte sich ein signifikanter Vorteil aus der gleichzeitigen Modellierung endlicher Kapazitätsbeschränkungen (z. B. Anlagen, Material, Arbeitskraft) und der Durchsetzung von Geschäftsregeln und einer Logik für die Produktionsabfolge ergeben. Angesichts der Vielzahl an Kombinationsmöglichkeiten macht hier eine erweiterte Lösung für die Produktionsplanung Sinn.
  • Szenario 3:Vielleicht sind bereits alle grundlegenden Planungselemente vorhanden, aber die Operations-Abteilung arbeitet nicht Hand in Hand mit dem Geschäftsbereich. Isolierte Kennzahlen, abweichende Informationsquellen und Subjektivität können zu Diskrepanz und Fehlausrichtung führen, was oftmals in einer langen Geldumschlagsdauer und niedrigen Service-Levels mündet, Stichwort Auftragserfüllung. Bei der Einführung neuer Produkte treten fehlende Korrelationen und Zusammenhänge noch deutlicher zutage. Lösungen für Vertriebs- und operative Planung (S&OP) synchronisieren die Funktionen, damit Angebot und Nachfrage im Gleichgewicht sind. Sie ermöglichen die Entwicklung realisierbarer Geschäftspläne und sorgen dann für deren effektive und effiziente Umsetzung.

Wie und wo am besten Wert geschöpft wird, ist keine Entscheidung, die ein für alle Mal getroffen wird, schließlich gilt es diese Vielzahl an immerwährenden, grundlegenden Fragen im Zusammenhang mit der Supply-Chain zu berücksichtigen. Um optimale Abläufe zu gewährleisten, ist es wichtig, immer wieder alle Aspekte zu beleuchten, da sich Supply-Chain-Netzwerke, Sortimente und Märkte verändern, die Kunden immer höhere Erwartungen haben, die Kanäle sich weiterentwickeln und der Wettbewerb härter wird. Wenn Unternehmen die Zukunft besser antizipieren, können sie agiler handeln, wenn – wie so oft – etwas Unerwartetes geschieht. Und vielleicht finden Sie Schritt für Schritt Ihre eigenen Antworten auf die Fragen, die uns alle beschäftigen.
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