Consumeronics und das Ende der linearen Planung

Februar 24, 2015

Teil 1


In der Mode-Branche fängt ein neues Jahr schon an, während sich fashion-verrückte Kund(inn)en noch über ihr Spätsommer-Schnäppchen freuen. Dementsprechend haben schon zahlreiche kluge Köpfe viel früher über Trends für 2015 gegrübelt und geschrieben. Was dabei häufig fehlt, sind Schlussfolgerungen und Antworten. Ja, die Branche wird sich auch dieses Jahr mit dem ROPO-Effekt beschäftigen müssen und mit der Frage, wie man auf allen Kanälen Geld verdienen kann. Doch welche Konsequenzen sollten Hersteller und Händler daraus ziehen? Wir haben bei einigen Herausforderungen einmal genauer hingeschaut. Heute: Consumeronics.



In der Welt von Consumeronics sitzen die Kunden am Drücker. Eine einzelne Meinung – von einem Schauspieler, einem Fashion-Blogger oder einem Sternchen auf dem roten Teppich – kann aus einer Kollektion einen Knüller oder einen Flop machen. Das hat zwei Herausforderungen zur Folge: Zum ersten werden rund 30 bis 40 Prozent einer Kollektion in der Regel ab einem bestimmten Zeitpunkt heruntergesetzt, weil sie nicht rechtzeitig verkauft werden konnte. Zum zweiten ist es eine echte Hürde, die Nachfrage genau dann zu bedienen, wenn sie aufflammt. In einem so unvorhersehbaren Markt ist es schwierig, sinnvolle Prognosen zu erstellen und danach zu planen.


Wie stellt man das am besten an? Die ernüchternde Antwort: Gar nicht. Oder zumindest nicht mit einem traditionellen, sequentiellen Wasserfall-Planungsmodell mit langfristigem Forecast auf Teile-Ebene, einem taktischen Nachfrageplan auf Farbebene und einem detaillierten Produktionsplan für die nächsten drei Monate auf SKU-Ebene mit allen Einzelheiten für die nächsten ein bis zwei Wochen. Ganz ehrlich: Die meisten Kollektionen überleben keine drei Monate im Markt. Spezielle Designs und Farben werden über Nacht hip und verschwinden dann schnell wieder von der Bildfläche. Ebenso kann eine Kollektion extrem gut laufen, aber die Verkaufszahlen sacken ab, sobald sich ein neues Design ankündigt.



Natürlich kann das im Umkehrschluss nicht bedeuten, dass man auf Planung getrost verzichten sollte. Eher geht es darum, die Art der Planung und den Bezugsrahmen anzupassen. Um Tempo in die Wertschöpfungskette zu bringen, muss die Planung weniger linear, sondern mehr kollaborativ und auf einen kürzeren Zeithorizont konzentriert sein. In der Ausführung laufen Aufgaben in einem Netzwerk von Partnern parallel ab, statt wie in der traditionellen Supply Chain hintereinander weg. Denn manchmal reicht es schon, nur eine Farbe anzupassen oder einen Materialmix, um auf einen Trend aufzuspringen oder um ein Teil weiterhin als Bestseller zu führen. Dafür braucht es ein PLM-System, das eine enge Zusammenarbeit zwischen dem Design-Team, der Produktentwicklung und dem Einkauf ermöglicht. Wenn es dann noch eine Bibliothek mit wiederverwertbaren Design-Entwürfen in Kombination mit Spezifikationen, Stücklisten, Beschaffungs-, Preis- und Verarbeitungsinformationen enthält, lassen sich die Vorlaufzeiten zur Einführung einer neuen Design-Variante verkürzen oder zusätzliche Lieferanten schneller und einfacher an Bord bringen, um Engpässe auszugleichen.


Interessiert Sie das Thema? Dann lesen Sie auch Teil 2 unserer Trendbetrachtung!


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