Keine schlaflosen Nächte

Juni 1, 2015

Das Buchungsverhalten der Gäste hat sich radikal geändert. Gäste buchen immer kurzfristiger. Früher hat das Hoteliers den Schlaf geraubt. Mittlerweile lernen sie, damit zu leben.


(Gastbeitrag in der ÖGZ von Stefan Bezold, Infor) - Es gibt kaum eine Branche, die sich selbst und die darin eingesetzte Technologie so verändert hat wie die Hotellerie. Die fortschreitende Internationalisierung zeigt sich schon allein daran, dass kaum jemand mehr von Gastgewerbe, eher von der ‚Hospitality Industry’ spricht.


Technologisch hat das Internet neue Meilensteine gesetzt: Mit der schnellen Informationsbereitstellung für jedermann zu jeder Zeit und an jedem Ort sind neue Geschäftsmodelle rund um die Hotellerie entstanden. Die Distribution hat sich grundsätzlich verändert, die Marktbeobachtung ist transparenter geworden, Revenue Management ist viel austarierter entwickelt und der Markt einfach global geworden.


Nehmen wir einmal die zahlreichen Bewertungs- und Buchungsportale: Kaum ein Gast bucht seine nächste Geschäfts- oder Urlaubsreise in ein für ihn unbekanntes Hotel oder eine Destination, ohne online zu prüfen, welche Erfahrungen andere Reisende schon gemacht haben. Die Hotellerie brauchte einige Zeit, um mit diesem neuen Phänomen umzugehen und ihm positive Seiten abzugewinnen. Denn hier wird transparent, weltweit und rund um die Uhr abrufbar, was sich im jeweiligen Hotel abspielt: Wie freundlich ist das Team? Wie modern ist die Einrichtung? Und nicht zuletzt: Wie schmeckt die Küche des Hauses? Wer als Hotelier den Perspektivwechsel schafft, der sieht darin die kostenfreie Marktbeobachtung des eigenen Betriebes. Zu dieser Erkenntnis kommen immer mehr Hoteliers und Hotelgesellschaften: Gute Bewertungen bedeuten neue, zusätzliche Buchungen – im Idealfall zu höheren Raten.


Eine weitere wichtige Entwicklung für die gesamte Hotellerie weltweit ist die Kurzfristigkeit der Buchungen. Wurden vor zehn oder zwanzig Jahren große Unternehmensevents mit 500 bis 1000 Teilnehmern teilweise ein Jahr im Voraus gebucht, so schmilzt diese Vorausbuchungsdauer auf wenige Wochen zusammen. Dieser Trend verstärkt sich im Bereich der Individualreisen durch das mobile Internet: Übernachtungen werden immer häufiger erst am Tag der Anreise gebucht - Tablets und Smartphones machen’s möglich. Gestandene Hoteldirektoren hatten früher schlaflose Nächte, wenn die Prognosen für ihr Haus am Monatsanfang eine Auslastung unter 50 Prozent ausgewiesen haben. Heute liegt sie in der Regel deutlich darunter und bereitet dennoch keine Schlafstörungen mehr: Die Branche weiß, wie kurzfristig das Geschäft geworden ist.


Eine Entwicklung innerhalb der Branche ist die Auffächerung in immer mehr Nischenprodukte. Es gibt mittlerweile Hotels für Singles, Singles mit Kind, Babyhotels, Designhotels, SPA-Hotels, Bio-Hotels, Familienhotels von 0 bis drei Jahren und und und. Ein spezielles Segment ist hier in den letzten Jahren besonders stark gewachsen, das Low-Budget-Segment. Gab es früher in Europa fast nur Accor mit seinen Brands Ibis und Etap (mittlerweile Ibis Budget) ist mit dem Markteintritt von Motel One aus München ein sehr starker, designorientierter Player in diesem Wachstumsmarkt auf europäischer Ebene im Spiel, der gleichermaßen Investoren, Gäste und Mitarbeiter begeistert.


Und ein Ende des Wachstums ist noch lange nicht in Sicht, denn zum einen wächst der Bedarf an budgetfreundlichen Übernachtungen in den Städten Europas nach wie vor, zum andern ruft diese Erfolgsgeschichte viele Nachahmer auf den Plan, die mit allen möglichen Schlagworten und Konzepten wie „lean luxury“ oder ähnlichem werben und einen Teil des Kuchens für sich beanspruchen.


Quelle: ÖGZ, www.gast.at, Nr. 20–21, 22. Mai 2015, Gastbeitrag von Stefan Bezold, Infor


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