Lieferkettensichtbarkeit 2018: Jeder will sie, kaum jemand hat sie

Januar 25, 2018
Von Greg Kefer, VP Marketing

Mag sein, dass die Überschrift etwas überzogen klingt. Ich kam darauf aufgrund einer Geodis-Studie, derzufolge nur 6 % der Unternehmen ihre Lieferkette als „lückenlos transparent“ einschätzen. Dies deckt sich mit anderen Analysen, die übereinstimmend darauf hindeuten, dass ein solcher Überblick zwar allerorten angestrebt wird, aber nur wenige Unternehmen tatsächlich wissen, wie sie es anstellen sollen.

Das Problem beginnt teilweise schon bei der Definition: Was ist mit Lieferkettensichtbarkeit eigentlich gemeint? Gartner zählt über 100 Softwareanbieter, die behaupten, mit dem einen oder anderen Angebot aufwarten zu können, das der Abbildung der Lieferkette dient. Dafür genügt es schon, dass eine Lösung den Einblick in ein Distributionszentrum, einen Plan, ein Werk, eine Region, eine Transportart oder einzelne Leistungs-KPIs eröffnet.

Einige Unternehmen gehen mit Konzept an diese Transparenzaufgabe heran und sichern sich Mehrwert im zweistelligen Millionenbereich. Sehr vielen Unternehmen steht jedoch noch ein langer Weg bevor, um eine Vision umzusetzen. Die Komplexität einer globalen Lieferkette ist entmutigend. Doch der Preis dafür, nichts zu unternehmen, wäre zu hoch. Wer im dunkeln tappt, bleibt hinter den Mitstreitern zurück.

Übersicht mit blinden Flecken?

Investitionen in Supply-Chain-Technologie haben in den letzten zwei Jahrzehnten etwas bewegt, und in den meisten Unternehmen besteht Übersicht bis zu einem gewissen Grad. Fragt man aber eine Führungskraft, ob ihr Unternehmen die globale Lieferkette lückenlos überblickt, heißt die Antwort meistens Nein – besonders dann, wenn sie in einem Großunternehmen beschäftigt ist oder Abläufe mit externen Prozessen und Partnern in ihre Zuständigkeit fallen. Übersicht über einzelne Ausschnitte ist hilfreich. Ohne den vollständigen, zentralen Blick über das gesamte Geschehen ist es jedoch schwierig, agil, schlank und effizient zu bleiben.

Konzepte wie vollständige Transparenz und End-to-End-Sichtbarkeit sind wirklich verlockend, wenn man es sich einmal überlegt. Sollte eine solche Lösung nicht aussehen wie ein Google für Lieferketten? Also ein zentraler Ort, von dem aus sich der Status jedes Artikels, jeder Lieferung, jedes Vorgangs, jedes Partners, aber auch Berichte, Liefertermine und sämtliche Anlagen abfragen lassen – und zwar stets zeitnah aktualisiert? Und von den Vorlaufplänen bis hin zur abschließenden Lieferung und Bezahlung – auf globaler Ebene? Gleichzeitig muss das System mit der nötigen Intelligenz ausgestattet sein, um Störungen proaktiv zu begegnen, Alternativen vorzuschlagen, Auswirkungen zu messen und eine großflächige Kommunikation wahrzunehmen.

Wunderwaffe IoT?

Wenn die Experten Recht behalten, gibt es bis 2020 50 Milliarden über das IoT vernetzte Objekte. Davon spielen viele schon heute eine Rolle für die Lieferketten. Innovationen wie intelligente LKWs, „Low-Cost“-Sensoren, Mobile-Apps und all die neuen vernetzten Dinge sind in der Lage, in Echtzeit und automatisch detailliertere Daten zu übermitteln, und ermöglichen dadurch Innovation in der Supply-Chain. Das Mehr an Daten bringt aber nicht immer eine Verbesserung. Aus den Petabytes an Daten sinnvolle und verwertbare Einsichten zu gewinnen, stellt die Unternehmen vor gewaltige Probleme – die sich umso mehr verschärfen werden, je mehr Geräte online gehen.

Für Vorhaben rund um die Lieferkettentransparenz sind IoT-Datenquellen von Vorteil, da sie den Informationsbestand um eine Dosis realer Felddaten anreichern. Die Abhängigkeit von EDI als Datenquelle ist seit jeher eine Herausforderung – und wird es auf absehbare Zeit auch bleiben. Den GPS-Standort eines Lasters oder Schiffes in Echtzeit zu kennen, ist toll. Richtig spannend wird es aber erst, wenn Kontext hinzukommt und Sie auch genau wissen, welche Güter der Laster geladen hat, wenn Sie die Einzelheiten der Bestellung im Blick haben und über einen zuverlässigen, laufend aktualisierten Ankunftstermin verfügen. Das IoT-Gerät kann den Datenbestand zu einem Auftrag anreichern. Die schwer erreichbaren Informationen über Aufträge, Kosten, Historie, Pläne und Prognosen stecken im Allgemeinen aber tief in ERP- oder TMS-Systemen verborgen. Netzwerkgestützte Cloud-Technologie-Stacks sind vor allem von Bedeutung, um die verschiedenen Systeme, Datenobjekte und Partner zu einer einheitlichen Informationsquelle zusammenzuführen, damit jeder und alles mit denselben Informationsgrundlagen handelt.

Der Nutzen von Lieferkettensichtbarkeit wird die Nachfrage steigern

Anhand einiger überzeugender Beispiele von Wertsteigerungen lässt sich schon absehen, dass die Dynamik anhalten wird. Aus der Möglichkeit, auf Unvorhergesehenes zu reagieren, resultiert die ganze Bedeutung von Lieferkettensichtbarkeit. Ob die verheerenden Folgen von Katastrophen wie dem Erdbeben und dem Tsunami in Japan, oder ein örtlicher Arbeiterstreik, durch den eine zentrale Nachschubquelle blockiert wird: Die Fähigkeit, Situationen rasch zu erkennen und zu beurteilen, erlaubt das Ausweichen auf einen Plan B, ohne den dem Unternehmen Kosten in Millionenhöhe entstehen, um im Nachhinein schmerzvolle Ausfälle zu bewältigen.

Wie wir sehen, funktionieren Lieferketten heute auf einem anderen Niveau. Allen voran dank Amazon Prime ist die Messlatte in den letzten Jahren WEIT nach oben gerückt, und zwar nicht nur im Einzelhandel. Erwartungen im Hinblick auf schnelle Ausführung und hochstehende IT ohne oder mit nur geringen Zusatzkosten könnten schon bald die Norm werden. Angesichts steigender Erwartungen bietet ein robustes System für Lieferkettensichtbarkeit dem Unternehmen Schutz und mehr Handlungsfähigkeit – denn wer nur auf Sichtweite navigiert, kann kaum effizient und agil bleiben.
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