Lieferketten-Blindspots beseitigen, bevor sie zum Geschäftsrisiko werden

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Im Jahr 2026 haben Großhändler im Holz- und Baustoffhandel gelernt, dass Störungen in der Lieferkette keine Ausnahme mehr sind – sie sind zur neuen Normalität geworden. Materialengpässe, logistische Engpässe und regionale Nachfrageschwankungen gehören inzwischen zum Tagesgeschäft. Entscheidend ist dabei nicht allein die Störung selbst, sondern der fehlende End-to-End-Überblick über Niederlassungen, Lagerstandorte, Produktionsstätten und Lieferanten. Ohne Transparenz können Probleme oft erst erkannt werden, wenn bereits erhebliche Auswirkungen auf Margen und Servicelevels entstanden sind.

Im dritten Teil unserer fünfteiligen Blogserie zu den wichtigsten Herausforderungen im Holz- und Baustoffgroßhandel betrachten wir daher ein zentrales Thema: Wie Unternehmen Lieferketten-Blindspots durch bessere Rückverfolgbarkeit, digitalisierte Prozesse und eine engere Zusammenarbeit mit Lieferanten beseitigen können.

Materialengpässe und Lieferverzögerungen: Wenn „zu spät“ der Standard ist

Großhändler im Holz- und Baustoffhandel befinden sich zwischen Produzenten mit langen Vorlaufzeiten und Kunden, die Just-in-Time-Lieferungen für ihre Projekte erwarten. Während Sägewerke und Hersteller Wochen oder Monate im Voraus planen, erwarten Bauunternehmen oft noch am selben Tag Auskunft darüber, wo sich ihre Lieferung befindet.

Die Folgen zeigen sich an vielen Stellen:

  • Bestellungen sehen im ERP-System zunächst unproblematisch aus, bis sich Verzögerungen kurzfristig herausstellen.
  • Lieferungen bleiben in Häfen, Rangierbahnhöfen oder regionalen Umschlagzentren hängen, ohne dass ein verlässlicher Liefertermin bekannt ist.
  • Bestände „auf dem Transportweg“ befinden sich möglicherweise auf einem Schiff, in einem Güterzug, bei einem Logistikdienstleister oder bereits kurz vor der Niederlassung – oft fehlt jedoch die notwendige Transparenz.

Ohne eine konsolidierte Echtzeitübersicht über Bestellungen und Lieferungen wird jede Störung zum Krisenfall. Niederlassungen kontaktieren den Einkauf, der Einkauf den Lieferanten, der Kundenservice den Transportdienstleister. Alle arbeiten mit unterschiedlichen Informationen und damit mit unterschiedlichen Versionen der Realität.

Der Weg zu mehr Resilienz beginnt mit zentraler Transparenz

Ein moderner Ansatz basiert auf einer zentralen Sicht auf Aufträge, Sendungen und Bestände. Logistik, Einkauf und Kundenservice greifen auf dieselben Informationen zu und erkennen Risiken frühzeitig.

Werden mögliche Lieferverzögerungen bereits im Vorfeld identifiziert, können Unternehmen:

  • Bestände proaktiv umverteilen,
  • Warenkontingente zwischen Standorten verschieben,
  • Kundenzusagen rechtzeitig anpassen,
  • Alternativlösungen entwickeln, bevor ein Problem eskaliert.

Dadurch wird aus reaktiver Schadensbegrenzung ein aktives Management der Lieferkette.

End-to-End-Rückverfolgbarkeit: Vom Sägewerk bis zur Baustelle

Im Jahr 2026 geht Transparenz weit über die Frage hinaus, wo sich eine Lieferung aktuell befindet. Kunden und Regulierungsbehörden erwarten zunehmend Nachweise über Herkunft, Zertifizierungen und Nachhaltigkeitskriterien.

Dazu gehören:

  • Herkunftsnachweise und Dokumentationen der Lieferkette zur Erfüllung von Compliance- und Nachhaltigkeitsanforderungen.
  • Die Sicherheit, dass die richtigen Chargen mit den richtigen Zertifizierungen in die vorgesehenen Projekte fließen.
  • Die Fähigkeit, schnell zu identifizieren, welche Kunden, Projekte oder Standorte von Produktrückrufen, Qualitätsproblemen oder Lieferantenausfällen betroffen sind.

Viele traditionelle Systeme bilden jedoch nur Teilbereiche der Lieferkette ab. Ein Beschaffungssystem kennt die Bestellung beim Hersteller, ein Transportmanagementsystem den Weg vom Hafen zum Verteilzentrum und das ERP-System die Auslieferung an den Kunden. Die durchgängige Verbindung dieser Informationen fehlt häufig.

Eine End-to-End-Rückverfolgbarkeit schafft einen lückenlosen Informationsfluss entlang der gesamten Lieferkette – vom Hersteller über Logistikpartner und Niederlassungen bis hin zur Baustelle.

Dadurch lassen sich Fragen beantworten wie:

  • Welche Chargen wurden in einem bestimmten Projekt verbaut?
  • Welche Kunden sind von einer Störung bei einem Lieferanten betroffen?
  • Können Herkunft und Zertifizierungen eines Materials eindeutig nachgewiesen werden?

Mit einer mehrstufigen Rückverfolgbarkeit betrachten Unternehmen nicht nur ihre eigenen Lagerbestände. Sie gewinnen Einblicke in vorgelagerte Lieferantenstrukturen und nachgelagerte Kundenprozesse und können Risiken deutlich schneller bewerten und steuern.

Traditionelle Lieferantenkommunikation stößt an ihre Grenzen

Parallel dazu verändern sich die Liefermodelle im Markt. Direktlieferungen vom Hersteller zur Baustelle (Drop-Ship) werden zunehmend wichtiger. Unternehmen möchten Lagerbestände reduzieren, Lieferzeiten verkürzen und ihr Sortiment erweitern, ohne zusätzliches Kapital zu binden.

Die Prozesse dahinter basieren jedoch häufig noch immer auf E-Mails und Tabellenkalkulationen.
Typische Symptome sind:

  • Lange E-Mail-Ketten zur Abstimmung von Mengen, Terminen und Lieferadressen.
  • Fehlende oder verspätete Auftragsbestätigungen.
  • Komplexe Aufträge mit mehreren Lieferstandorten oder Rückständen, die außerhalb der Kernsysteme verwaltet werden.

Ein solcher Ansatz macht es nahezu unmöglich, Drop-Ship- oder Multi-Ship-Modelle effizient und skalierbar umzusetzen.

Digitale Zusammenarbeit mit Lieferanten

Eine digitale Lieferantenintegration schafft strukturierte und transparente Prozesse für beide Seiten.

Unternehmen können:

  • Bestellungen, Bestätigungen und Änderungen elektronisch austauschen.
  • Realistische Liefertermine und Kapazitätsgrenzen frühzeitig erfassen.
  • Versandavis (ASN) und begleitende Dokumente direkt mit Bestellungen verknüpfen.
  • Mehrere Lieferadressen und Direktlieferungen innerhalb eines zentralen Systems verwalten.

Dadurch sinkt der manuelle Aufwand, Missverständnisse werden reduziert und Risiken in der Versorgung lassen sich früher erkennen.

Wie eine digitalisierte Lieferkette aussieht

Eine moderne Lieferkette im Holz- und Baustoffhandel zeichnet sich durch vier zentrale Merkmale aus:

Zentrale Transparenz

Alle Beteiligten arbeiten auf Basis derselben Informationen zu Bestellungen, Beständen und Lieferungen. Risiken sind frühzeitig sichtbar und Bestände standortübergreifend planbar.

Integrierte Rückverfolgbarkeit

Produkt- und Chargendaten begleiten das Material entlang des gesamten Weges. Dokumentationen, Zertifizierungen und Compliance-Nachweise bleiben jederzeit nachvollziehbar.

Digitale Lieferantenintegration

Bestellungen, Bestätigungen und Versandinformationen werden strukturiert ausgetauscht und automatisiert verarbeitet. Informationen befinden sich nicht mehr in Postfächern, sondern stehen zentral zur Verfügung.

Unterstützung komplexer Fulfillment-Modelle

Direktlieferungen, alternative Standorte, externe Logistikpartner und Teillieferungen lassen sich effizient verwalten, ohne Transparenz oder Kontrolle über Rentabilität und Bestände zu verlieren.
Der eigentliche Wandel besteht darin, von einer reaktiven Problemlösung zu einer proaktiven Steuerung der Lieferkette überzugehen. Ziel ist nicht, jede Störung zu verhindern, sondern auf Basis fundierter Informationen schneller und sicherer reagieren zu können.

Von Blindspots zu besseren Entscheidungen

In einem volatilen Markt können Großhändler weder das Wetter noch die Produktionskapazität von Lieferanten kontrollieren. Sie können jedoch beeinflussen, wie schnell sie Probleme erkennen und wie effektiv sie darauf reagieren.

Durchgängige Rückverfolgbarkeit, digitalisierte Lieferkettenprozesse und eine enge Zusammenarbeit mit Lieferanten sind längst keine optionalen Zusatzfunktionen mehr. Sie bilden das Fundament einer resilienten Lieferkette.

Wie Infor Großhändler unterstützt

Die branchenspezifischen, KI-gestützten Lösungen von Infor für den Großhandel wurden speziell entwickelt, um diese Herausforderungen zu adressieren.

Zu den wichtigsten Funktionen gehören:

Echtzeit-Transparenz in der Lieferkette

Infor aggregiert Daten aus Lieferanten-, Transport-, Lager- und Standortnetzwerken und schafft eine zentrale Sicht auf Bestellungen und Lieferungen. Risiken können früher erkannt und Kunden zuverlässiger informiert werden.

Mehrstufige Rückverfolgbarkeit

Materialien lassen sich über mehrere Lieferantenebenen, Transportwege und interne Standorte hinweg nachverfolgen. Herkunft, Zertifizierungen und Herkunftsnachweise bleiben jederzeit nachvollziehbar.

Digitale Lieferantenzusammenarbeit

Infor unterstützt strukturierte Prozesse für Bestellungen, Bestätigungen, Forecasts und Versandinformationen. E-Mail-basierte Abstimmungen werden durch integrierte Workflows ersetzt.

Unterstützung komplexer Fulfillment-Szenarien

Direktlieferungen, mehrere Lieferorte, Teilmengen und Rückstände können innerhalb eines konsistenten Prozesses verwaltet werden – inklusive vollständiger Transparenz über Bestände und Dokumentation.

Gemeinsam ermöglichen diese Funktionen, aus permanenten Störungen einen beherrschbaren und datengetriebenen Prozess zu machen. Unternehmen erkennen Risiken früher, verstehen die Auswirkungen auf ihr Netzwerk besser und können gemeinsam mit Kunden und Lieferanten Lösungen entwickeln, die sowohl Servicequalität als auch Margen schützen.

Mehr darüber, wie Infor Großhändler mit Rückverfolgbarkeit, digitalisiertem Lieferkettenmanagement und einer engeren Lieferantenzusammenarbeit unterstützt, erfahren Sie unter Infor Supply Chain Management.

In den nächsten Teilen der Blogserie beschäftigen wir uns mit Technologieeinführung, digitaler Transformation sowie regulatorischen Anforderungen und Nachhaltigkeit – und zeigen, wie branchenspezifische, KI-gestützte Lösungen Unternehmen dabei unterstützen, ihre Margen zu schützen, den Kundenservice zu verbessern und widerstandsfähiger gegenüber zukünftigen Herausforderungen zu werden.

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Hakan Strombeck