Acht strategische Maßnahmen, die Aftermarket-Anbieter jetzt angehen sollten
Seit Henry Ford das Fließband einführte, hat sich die Automobilindustrie nicht mehr so grundlegend verändert wie heute. Elektrifizierung, softwarebasierte Fahrzeuge, künstliche Intelligenz, geopolitische Spannungen und veränderte Kundenerwartungen – jeder dieser Trends wäre für sich genommen schon eine große Herausforderung. Zusammen stellen sie die Grundlagen des Wettbewerbs auf den Kopf, und viele Unternehmen sind darauf nicht vorbereitet.Aftermarket-Anbieter, Distributoren, Teilehersteller und Serviceorganisationen trifft das noch härter. OEMs können entscheiden, welche Fahrzeuge sie morgen bauen wollen. Der Aftermarket hat diesen Luxus nicht: Er muss die Millionen Fahrzeuge betreuen, die schon auf der Straße sind – und sich gleichzeitig auf die Technologien vorbereiten, die als Nächstes kommen. Die unangenehme Realität bedeutet, der Aftermarket lebt in zwei Welten gleichzeitig.
Gewinnen werden die Unternehmen, die schon heute an Agilität, Resilienz und Intelligenz arbeiten – während andere noch auf Klarheit warten, bevor sie ihre Strategie festlegen.
E-Fahrzeuge verändern die Wertschöpfung im Aftermarket
Jahrzehntelang war die Nachfrage im Aftermarket gut planbar. Verbrennungsmotoren brauchen regelmäßige Wartung – Filter, Abgasanlagen, Motorteile, Schmierstoffe, mechanische Reparaturen. Ganze Geschäftsmodelle wurden auf diesen Rhythmus aufgebaut.Dieser Rhythmus verändert sich gerade grundlegend. Elektrofahrzeuge kommen mit deutlich weniger beweglichen Teilen aus. Software bestimmt zunehmend, wie sich ein Fahrzeug verhält. Vernetzte Fahrzeuge liefern permanent Betriebsdaten. KI-gestützte Diagnosesysteme erkennen Defekte, bevor sie überhaupt auftreten. Fahrzeugarchitekturen werden immer zentraler und softwaregesteuert – und immer weniger mechanisch geprägt.
Elektrifizierung: der Servicemarkt wird multipolar
Der weltweite Fahrzeugbestand wird im Schnitt älter. Hybridmodelle gewinnen an Bedeutung, und Millionen Verbrenner werden noch weit ins nächste Jahrzehnt hinein im Einsatz bleiben. Gleichzeitig entstehen neue Umsatzquellen: Software-Services, vorausschauende Diagnostik, Batterie-Support, vernetzte Fahrzeugdaten und erweiterte Wartungsangebote.Acht strategische Maßnahmen für Entscheider im Aftermarket
Branchenumfragen zeigen: Das Wachstumspotenzial in diesem Sektor bleibt groß. Gleichzeitig sorgen Unsicherheit, schwankende Lieferketten, Fachkräftemangel und der Umstieg auf E-Mobilität weiterhin für Kopfschmerzen. Die eigentliche Frage lautet also nicht, ob es Chancen gibt – sondern wie das eigene Unternehmen in die Lage versetzt wird, diese auch zu nutzen.1. Der Umstieg vom Verbrenner auf Elektroantrieb ist komplexer, als er aussieht
Der Wandel ist weit mehr als ein simpler Wechsel vom Verbrennungs- zum Elektromotor. Die meisten Anbieter müssen Verbrenner-, Hybrid- und Elektroplattformen gleichzeitig bedienen – und dabei mit erheblicher Unsicherheit über Tempo der Marktentwicklung, regionale Regulierung und Kundennachfrage umgehen. Es geht also nicht darum, sich für einen Technologiepfad zu entscheiden, sondern darum, flexibel genug zu bleiben, um mehrere Pfade parallel zu bedienen. Für Aftermarket-Anbieter heißt das konkret: mehrere Produktportfolios gleichzeitig managen:
- klassische Verbrennerteile
- hybridspezifische Komponenten
- Serviceteile für Elektrofahrzeuge
- batteriebezogene Produkte, etwa Kühltechnik oder EV-Bremssysteme
- elektronische und softwarebasierte Bauteile
Wer sich zu früh vom profitablen Verbrenner-Geschäft verabschiedet, riskiert Liquiditätsprobleme, bevor die Einnahmen aus dem E-Geschäft überhaupt tragen. Wer die Elektrifizierung ignoriert, riskiert, in diesem rasant wachsenden Marktsegment den Anschluss zu verlieren. Die erfolgreichsten Unternehmen finden die richtige Balance – und richten ihre Systemlandschaft auf maximale operative Flexibilität aus um genau diese Balance laufend an die Marktentwicklung anzupassen.
2. KI: vom Hype zur echten Prozessverbesserung
KI befindet sich nicht länger im Experimentierstadium. Führende Unternehmen im Aftermarket setzen bereits KI operativ ein, und zwar ganz konkret: Bedarfsprognosen
- Bestandsoptimierung
- Überwachung von Lieferantenrisiken
- Preismanagement
- automatisierten Kundenservice
- optimierte Lagerprozesse
- vorausschauende Wartung und Diagnoseunterstützung
Die wichtigste Lehre aus frühen Projekten: Man startet beim konkreten Geschäftsproblem, nicht bei der Technologie. Unternehmen, die zunächst die Technologie implementieren und dann nach passenden KI-Anwendungsfällen suchen, scheitern häufig. Unternehmen, die mit KI konkrete operative Engpässe lösen, sind durchgängig erfolgreich. Der eigentliche Wert von KI liegt nicht darin, Menschen zu ersetzen, sondern darin, Entscheidungen schneller und besser zu machen. Genauere Prognosen, effizientere Bestände und schnellere Problemlösung zahlen sich schon heute messbar aus. Der Abstand zwischen Vorreitern und Nachzüglern vergrößert sich mit wachsender Geschwindigkeit.
3. Lieferketten: von Kostenfokus zu Resilienz
Jahrzehntelang wurden Lieferketten fast ausschließlich auf Kosteneffizienz optimiert. Dieses Modell reicht heute nicht mehr aus. Regulatorische Vorgaben, Cybersicherheit und die schmerzhaften Erfahrungen der letzten Krisenjahre zwingen OEMs wie Aftermarket-Anbieter gleichermaßen dazu, auf Resilienz, Diversifizierung und Transparenz zu setzen. Im Fokus stehen heute:
- Multi-Sourcing bei kritischen Komponenten
- regionale Streuung der Lieferantenbasis
- Nearshoring, wo wirtschaftlich sinnvoll
- Echtzeit-Monitoring von Lieferanten
- Kontrolltürme für die Lieferkette
- Simulation von Bestandsrisiken
Wer künftige Krisen erfolgreich meistert, ist nicht das Unternehmen mit den niedrigsten Lagerbeständen – sondern das mit der besten Übersicht über die eigene Lieferkette.
4. ERP wird zum strategischen Entscheidungswerkzeug
ERP-Systeme waren lange dafür gebaut, festzuhalten, was passiert ist. Das reicht nicht mehr. KI, IoT-Daten, vernetzte Abläufe und die Erwartung an Echtzeit-Reaktionen verlangen mehr: Systeme, die nicht nur Vergangenes dokumentieren, sondern aktiv bei aktuellen Entscheidungen unterstützen. Die nächste Generation von Aftermarket-Betrieben setzt auf die Verzahnung von:
- ERP
- Lagerverwaltung
- Transportmanagement
- Zusammenarbeit mit Lieferanten
- Fertigungssteuerung
- Kundenservice
- KI-gestützter Analyse
Das ERP der Zukunft sagt Ihnen nicht mehr, was gestern war. Es erkennt Risiken, bevor sie entstehen, zeigt Chancen auf, bevor sie sich schließen – und empfiehlt Maßnahmen, bevor Sie überhaupt danach fragen.
5. Vernetzte Fahrzeugdaten lösen Probleme früher
Softwarebasierte Fahrzeuge stellen das klassische Aftermarket-Geschäftsmodell auf die Probe. Sie eröffnen aber auch ganz neue Chancen.
Vernetzte Fahrzeuge ermöglichen zum Beispiel:
- Ferndiagnose
- vorausschauende Wartungshinweise
- nutzungsbasierte Serviceempfehlungen
- Erkenntnisse zur Flottenoptimierung
- datengestützte Kundenservices
Analysten erwarten, dass sich Gewinne im kommenden Jahrzehnt zunehmend zu datengetriebenen Services und softwarebasierten Aftermarket-Modellen verschieben.
Im Aftermarket ging es schon immer darum, Probleme der Kunden zu lösen. Vernetzte Fahrzeugdaten erlauben nur eines: diese Probleme früher zu lösen – bevor das Bauteil ausfällt, bevor der Schaden entsteht, oft bevor der Kunde überhaupt merkt, dass etwas nicht stimmt.
6. Margendruck der OEMs mit operativer Exzellenz begegnen
Der Druck der OEMs auf ihre Zulieferer wächst weiter. Preissenkungsklauseln, schwankende Volumina, Compliance-Kosten und zunehmende Komplexität setzen die Margen dauerhaft unter Druck. Wer seine Marge schützen will, kommt an operativer Disziplin nicht vorbei:
- intelligente Automatisierung
- standardisierte Prozesse
- digitale Workflows
- präzise Bestandsführung
- kürzere Reaktionszeiten
Unternehmen, die dafür KI-Agenten einsetzen, senken damit nicht nur Kosten – sie schaffen Lerneffekte, die sich mit der Zeit selbst verstärken. Je länger man wartet, desto schwerer wird es, den Rückstand aufzuholen. Operative Exzellenz ist heute ein entscheidender Wettbewerbsvorteil – und für viele eine Frage des Überlebens.
7. Der Mensch bleibt auch mit KI Innovation im Zentrum des Geschäftserfolgs
Technologieprojekte scheitern selten an der Technologie selbst. Sie scheitern daran, dass Mitarbeitende sie nicht mittragen – oder ihr Potenzial nicht ausschöpfen können.
Beim Thema Talente steht der Aftermarket vor einer doppelten Herausforderung: Jüngere Fachkräfte erwarten moderne, intuitive Tools und wandern ab, wenn sie diese nicht bekommen. Gleichzeitig muss die erfahrene Stammbelegschaft, die das entscheidende Erfahrungswissen mitbringt, befähigt und motiviert werden, mit KI zu arbeiten. Führungsteams sollten Ängste durch echte Befähigung ersetzen – zum Beispiel durch:
- KI- und Datenkompetenz auf allen Ebenen
- eine Kultur des kontinuierlichen Lernens
- bereichsübergreifende Zusammenarbeit
- eine nutzerorientierte Einführung neuer Technologien
Die erfolgreichsten KI-Projekte zielen nicht darauf ab, Mitarbeitende zu ersetzen. Sie machen die Belegschaft leistungsfähiger, besser informiert und wirksamer.
8. Die Marktführer von morgen handeln jetzt – statt auf Sicherheit zu warten
Fast jede Führungskraft in der Automobilindustrie hat heute Unsicherheiten im Blick – bei Märkten, Handelsbedingungen, Regulierung, neuer Technologie und Kundenverhalten.
Doch die Geschichte lehrt eine klare Lektion: Unternehmen scheitern selten daran, dass sich Märkte verändern. Sie scheitern daran, diesen Wandel nicht mitzugehen und davon auszugehen, dass alte Geschäftsmodelle ewig Bestand haben. Die Vordenker im Aftermarket begreifen Unsicherheit als strategischen Vorteil. Während der Wettbewerb auf Klarheit wartet, investieren sie in ihre operative Infrastruktur und machen sich agiler. Sie vereinfachen ihre Systeme, um schneller reagieren zu können. Und sie bauen sich die Fähigkeit auf, sich immer wieder neu auszurichten.
Das nächste Kapitel im Aftermarket beginnt jetzt
Der Automotive-Aftermarket bleibt einer der widerstandsfähigsten Sektoren der Weltwirtschaft. Fahrzeuge müssen weiterhin repariert werden, Flotten altern weiter, Teile nutzen sich weiterhin ab. Diese Nachfrage wird nicht verschwinden.
Doch die nächste Generation der Marktführer wird sich nicht mehr allein über ihr Teilesortiment definieren. Sie wird klassisches Aftermarket-Know-how mit KI, vernetzter Fahrzeugintelligenz, softwarebasierten Services und resilienten digitalen Abläufen verbinden. Die Zukunft gehört nicht dem größten oder dem günstigsten Anbieter. Sie gehört denen, die schneller lernen, sich anpassen und umsetzen als der Rest des Marktes.
Konkret heißt das: ERP, Fertigung, Lagerbetrieb, Lieferkettenplanung, Zusammenarbeit mit Lieferanten und KI-gestützte Entscheidungsunterstützung in einem einheitlichen Betriebsmodell zusammenführen – und dort gezielt branchenspezifische KI und Automatisierung einsetzen. Wer seine Daten vereinheitlicht, intelligent automatisiert und global standardisiert, ist am besten aufgestellt, um Margen zu schützen und die Chancen des kommenden Jahrzehnts zu nutzen.
Das Rennen hat begonnen. Ihr Tempo bestimmen Sie selbst – aber bei diesem Entwicklungstempo wird es umso schwerer, die Spitzengruppe noch einzuholen, je länger Sie sie ziehen lassen.
Warten Sie nicht auf Gewissheit, um den nächsten Schritt zu gehen. Beginnen Sie jetzt damit, Ihr Aftermarket-Geschäft agiler, widerstandsfähiger und intelligenter zu machen. Erfahren Sie, wie die Automotive-Lösungen von Infor und die Velocity Suite Ihnen helfen, die Komplexität des heutigen Aftermarkts in messbaren Wert zu verwandeln – schnell und mit Substanz.