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Von der Erprobung zur Umsetzung: Deutschlands KI-Paradox zwischen Zuversicht und Regulierung

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12. Mai 2026By Wolfgang Kobek | EVP International, Infor

Einleitung

Künstliche Intelligenz steht in deutschen Unternehmen ganz oben auf der Agenda. Der Fokus verlagert sich zusehends vom Ausprobieren zur konkreten Umsetzung: Unternehmen binden KI zunehmend in ihre Kernprozesse ein — mit dem Ziel, messbare Effizienzgewinne zu erzielen, Entscheidungen auf eine solidere Datenbasis zu stellen und tragfähige Geschäftsmodelle für ein zunehmend volatiles Marktumfeld zu entwickeln.

Doch ein genauerer Blick auf Deutschland zeigt ein differenzierteres Bild. Der neue Enterprise AI Adoption Impact Index von Infor™ belegt: Obwohl das Vertrauen in die eigenen KI-Fähigkeiten hoch ist, ringen viele Entscheidungsträger noch damit, die betrieblichen und regulatorischen Voraussetzungen zu schaffen, die KI im großen Maßstab zum Tragen bringen. Genau darin liegt die zentrale Spannung der deutschen KI-Landschaft: Unternehmen glauben, bereit zu sein — doch das Fundament für eine skalierbare Umsetzung ist vielerorts noch im Aufbau.

Diese Spannung spiegelt einen grundlegenden Wandel im Denken wider: weg vom Pilotprojekt, hin zur durchgängigen Integration von Intelligenz in alle Geschäftsprozesse.

Zentrale Ergebnisse für Deutschland

Effizienz als zentraler Treiber

Die bisherigen Implementierungen sprechen für sich: Deutsche Unternehmen berichten im Durchschnitt von einem Effizienzgewinn von 33 Prozent innerhalb der vergangenen zwölf Monate. KI hat sich damit vom Trendbegriff zum handfesten Produktivitätshebel entwickelt.

Datensicherheit als größtes Hemmnis

Während in anderen Märkten vor allem Rechenkapazität und Modellqualität debattiert werden, zeigen die Daten für Deutschland ein anderes Bild: Datensicherheit und Compliance-Anforderungen (33 %) sowie der Mangel an qualifiziertem Fachpersonal (27 %) sind die dominierenden Bremsklötze. Deutschen Entscheidungsträgern geht es um Innovation — aber nicht um jeden Preis, und schon gar nicht auf Kosten der Datensouveränität.

Der Ruf nach Kostentransparenz

In einem Markt, der oft von komplexen Preismodellen und tokenbasierter Abrechnung geprägt ist, fordern deutsche Unternehmen — allen voran der Mittelstand — mehr Planungssicherheit: 89 Prozent der Befragten sprechen sich für feste, vorhersehbare Kosten aus.

Der Mensch bleibt unverzichtbar

Trotz des Hypes um autonome KI-Agenten müssen 43 Prozent der KI-generierten Ergebnisse in Deutschland noch von Fachexperten geprüft werden. Nur 14 Prozent der Entscheidungsträger fühlen sich heute wohl dabei, kritische Prozesse vollständig in die Hände der Maschine zu legen.

Die Umsetzungslücke: Zuversicht ist nicht dasselbe wie Lieferfähigkeit

Auf den ersten Blick klingt es beruhigend: 83 Prozent der Unternehmen sehen sich in der Lage, KI-Implementierungen eigenständig zu stemmen. Doch Zuversicht und operative Skalierung sind zweierlei.

Ein erheblicher Teil der Unternehmen berichtet nach wie vor von Hürden, die Tempo und Reichweite der Einführung begrenzen — Datensicherheit (33 %), Datensouveränität, Datenschutz und Compliance-Vorgaben, fehlende KI-Expertise im eigenen Haus (27 %) sowie hohe Lizenz- und Servicekosten (26 %). Skalierung Bemühungen geraten in der Regel nicht aufgrund mangelnden Ehrgeizes ins Stocken, sondern auf der Ebene der Umsetzungsbedingungen.

Für deutsche Unternehmen lautet die entscheidende Frage längst nicht mehr, was KI leisten kann — sondern ob sie sich sicher, verantwortungsvoll und regelkonform einsetzen lässt. Vertrauen ist kein Nice-to-have mehr, sondern Grundvoraussetzung. Governance, Transparenz und Kontrolle müssen von Anfang an mitgedacht werden — und nicht als Flickwerk nachgerüstet.

Fachkräftemangel wird zur strukturellen Bremse

Je weiter Unternehmen über Pilotprojekte und Proof-of-Concepts hinauswachsen, desto klarer zeichnet sich ab: Die Skalierung von KI steht und fällt mit dem Menschen.

27 Prozent der deutschen Unternehmen nennen fehlende interne KI-Kompetenz als Implementierungshindernis. Dass die Zahlen über alle befragten Länder hinweg ähnlich ausfallen, macht die Botschaft noch deutlicher: Das ist kein deutsches Spezifikum, sondern eine gesamteuropäische Herausforderung.

Fachkräftemangel wirkt dabei auf zwei Ebenen: als Kapazitätsproblem und als Skalierungsbremse zugleich. Ob KI im Tagesgeschäft liefert, entscheidet sich in den Händen derer, die täglich damit arbeiten. Umso wichtiger ist, dass KI-Lösungen intuitiv bedienbar, handlungsrelevant und wirklich a die Realität des Arbeitsalltags angepasst sind.

Doch selbst dort, wo die richtigen Kompetenzen vorhanden sind, stößt die Skalierung häufig an eine zweite Grenze: die technologische Infrastruktur, auf der KI betrieben werden soll.

Infrastruktur entscheidet: Warum das Fundament über KI-Erfolg bestimmt

Der Engpass liegt selten beim Zugang zu KI-Werkzeugen. Das eigentliche Problem: Unternehmen versuchen, moderne KI-Fähigkeiten in IT-Landschaften zu integrieren, die für diese Anforderungen schlicht nicht gebaut wurden.

Genau das erklärt die Diskrepanz zwischen hohem Vertrauen und schleppender Skalierung. Entscheidungsträger glauben fest an ihre Umsetzungskompetenz — 83 Prozent sehen sich in der Lage, KI-Projekte ohne Beeinträchtigung des laufenden Betriebs zu führen — und stoßen trotzdem an strukturelle Grenzen, wenn es um die Integration in den Echteinsatz geht.

Die Studie benennt drei Faktoren, die das Fundament für KI in deutschem Maßstab schwächen:

1. Sicherheit und Souveränität als Integrationshürde:

Da 33 Prozent der Befragten Datensicherheit als Hindernis benennen, scheuen viele Unternehmen die tiefe Integration von KI in geschäftskritische Systeme. In fragmentierten IT-Landschaften bleiben Modelle und Piloten deshalb oft isoliert — weil die Anbindung an Kernprozesse als zu riskant gilt.

2. Datenstrategie vs. gelebte Praxis ;

Obwohl 81 Prozent der deutschen Entscheidungsträger ihre Datenlage als „ausgereift" einschätzen, bleibt der KI-Mehrwert in der Praxis oft begrenzt — durch Integrationslücken und inkonsistente Governance. Wo Systeme nicht sauber miteinander sprechen, bleiben Erkenntnisse in Datensilos gefangen und KI kann keine durchgängigen Prozessverbesserungen erzielen.

3. Das Erbe gewachsener Systemlandschaften:

Die nächste Phase der KI-Adoption in Deutschland wird nicht von denen angeführt, die am schnellsten experimentieren — sondern von denen, die KI konsequent und skalierbar in ihre Kernprozesse einbetten.

Der deutsche Weg ist pragmatisch geprägt: Der Nutzen als Produktivitätshebel ist erkannt, aber regulatorische Anforderungen, Datensicherheit und der Aufbau von Fachkompetenz bleiben nicht verhandelbar.

Für Unternehmen bedeutet das: Wer die Nase vorn haben will, muss die Grundlagen stärken — Governance, Integration, Qualifikation und Infrastruktur — damit KI echten, messbaren Mehrwert schafft, ohne das Vertrauen zu verspielen.

Erfahren Sie, wie die branchenspezifischen KI-Lösungen von Infor Ihr Unternehmen auf dem Weg von der Erprobung zur Umsetzung begleiten können.

Über das Unternehmen AI Adoption Impact Index

Diese Analyse basiert auf Umfragedaten, die im März und April 2026 unter Unternehmensentscheidern in den USA, Großbritannien, Deutschland und Frankreich erhoben wurden. Die Studie wurde im Auftrag von Infor durch YouGov durchgeführt. Für Deutschland wurden 266 Entscheidungsträger befragt, um ein umfassendes Bild der nationalen KI-Strategien und Hemmnisse zu zeichnen.

Die Studie umfasste:

  • 251 Befragte in den USA
  • 257 Befragte in Großbritannien
  • 266 Befragte in Deutschland
  • 250 Befragte in Frankreich

Untersucht wurde, wie Unternehmen den Einsatz von Künstlicher Intelligenz angehen — einschließlich des aktuellen Adoptionsstands, der Selbsteinschätzung zur Umsetzungsbereitschaft sowie zentraler Hemmnisse wie Datensicherheit, Fachkräftemangel und Infrastruktur.

Die Befragten repräsentieren ein breites Spektrum an Branchen und Unternehmensgrößen und vermitteln so ein globales Bild davon, wie Unternehmen den Übergang von der KI-Erprobung zur operativen Umsetzung gestalten.

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